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Distickstoffmonoxid
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top
Distickstoffmonoxid, allgemein bekannt unter dem Trivialnamen Lachgas, ist eine chemische Verbindung mit der Summenformel N2O. Bei Raumtemperatur ist es ein farbloses, nicht brennbares Gas. Es ist geruchlos und geschmacklos; teilweise wird jedoch ĂŒber einen leicht sĂŒĂlichen Geschmack beim Einatmen berichtet. Bei höheren Temperaturen ist Distickstoffmonoxid ein starkes Oxidationsmittel. In der medizinischen Literatur wird Distickstoffmonoxid auch als Stickoxydul oder Stickoxidul bezeichnet.
Distickstoffmonoxid ist ein Spurengas, dessen Konzentration in der ErdatmosphĂ€re seit Beginn des 19. Jahrhunderts stark zugenommen hat. Als Treibhausgas trĂ€gt Distickstoffmonoxid zur globalen ErwĂ€rmung sowie zum Ozonabbau in der StratosphĂ€re bei. Ein groĂer Teil der vom Menschen verursachten Distickstoffmonoxidemissionen sind auf die Landwirtschaft zurĂŒckzufĂŒhren.
Als Oxidationsmittel wird es in Raketentreibstoffen und im Rennsport zur Leistungssteigerung von Motoren verwendet. Distickstoffmonoxid wird in der Medizin, insbesondere in der Geburtshilfe und Zahnmedizin, wegen seiner betÀubenden und schmerzlindernden Wirkung eingesetzt. Es steht auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation.
Contents
âą Geschichte
âą Vorkommen
âą Terrestrisch
âą Herstellung
âą LabormaĂstab
âą Eigenschaften
âą Umweltrelevanz
âą Verwendung
âą Raketentechnik
âą Antriebstechnik
âą Toxikologie
âą Nachweis
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Geschichte
Entdeckung und Nutzung als Narkosegas
Distickstoffmonoxid wurde erstmals 1771 von dem englischen Pfarrer, Chemiker und Physiker Joseph Priestley rein dargestellt und beschrieben.cite-ref-orthh1-11-0[11] Die Entdeckung der betĂ€ubenden und schmerzstillenden Wirkung geht auf den englischen Apotheker und spĂ€teren Chemiker Humphry Davy zurĂŒck, der um 1797 begann, die Wirkung von Stickstoffmonoxid durch Selbstversuche zu erforschen. Er setzte es zur Behandlung von Zahnschmerzen ein, veröffentlichte seine Erkenntnisse 1800 und schlug Distickstoffmonoxid auch zur BetĂ€ubung bei Operationen vor.cite-ref-freyr-12-0[12]cite-ref-diepgenp-13-0[13]cite-ref-wei-erc-14-0[14] Anders als oft dargestellt, lĂ€sst sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschlieĂen, dass der Begriff âlaughing gasâ von Davy geprĂ€gt wurde.cite-ref-15[15]
Der erste Zahnarzt, der Distickstoffmonoxid als Narkosemittel verwendete, war Horace Wells in Hartford (Connecticut). Er setzte es ab 1844 erfolgreich bei Zahnextraktionen und Dentalbehandlungen ein, nachdem er dessen schmerzstillende Wirkung zufĂ€llig bei einer VergnĂŒgungsanwendung am 10. Dezember 1844 beobachtet hatte. Dies war zu seiner Zeit in Europa und vor allem Nordamerika zunĂ€chst auf JahrmĂ€rkten und auf âLachgaspartiesâ junger Leute ĂŒblich.cite-ref-orthh2-16-0[16] Am folgenden Tag lieĂ er sich selbst einen Zahn unter Distickstoffmonoxid-Narkose ziehen.
So schrieb Gardner Quincy Colton, der 1863 das nach dem Tod von Horace Wells zunĂ€chst als AnĂ€sthetikum auĂer Gebrauch gekommene Distickstoffmonoxid wieder eingefĂŒhrt hatte, 1866:
âThe laughing gas [âŠ] acts as an exhilarant, as by supplying an extra supply of oxygen to the lungs, the pulse is increased fifteen to twenty beats to the minute. The former agents carry the patients down towards the point of death: the latter up into increased life.â
âDas Lachgas [âŠ] wirkt wie ein Aufputschmittel, denn durch die zusĂ€tzliche Zufuhr von Sauerstoff in die Lungen wird der Puls um fĂŒnfzehn bis zwanzig SchlĂ€ge pro Minute erhöht. Die ersteren Mittel fĂŒhren die Patienten dem Tod entgegen, die letzteren dem Leben entgegen.â
â
Gardner Quincy Colton
Das am 10. Dezember 1844 in Hartford bei einer öffentlichen VorfĂŒhrung verwendete Distickstoffmonoxid wurde dort als âExhilarating or Laughing Gasâ bezeichnet. Den Zuschauern wurde angekĂŒndigt, dass das Gas je nach Charakter der berauschten Personen bei Inhalation Lachen, Singen, Tanzen, Reden oder PrĂŒgeln bewirken könne.cite-ref-h-ginw-18-0[18] Da Distickstoffmonoxid zu dieser Zeit noch in hoher Dosierung verabreicht werden musste, um Schmerzfreiheit zu erzielen, kam es nach wenigen Minuten zu lebensbedrohlichen Asphyxien. Daher konnte eine Distickstoffmonoxidnarkose nur bei kurzdauernden Eingriffen angewendet werden.cite-ref-orthh3-19-0[19] Nach der im Jahr 1868 publizierten Empfehlung des Chicagoer Chirurgieprofessors Edmund Andrews (1824â1904) wurde Distickstoffmonoxid in Kombination mit Sauerstoff als AnĂ€sthetikum bei klinischen Operationen eingesetzt, um eine wirkungsvolle sowie ausreichend hohe Konzentration zu erzielen.cite-ref-andrewse-20-0[20]cite-ref-lachgas-21-0[21] Dies wurde erstmals von Andrews praktiziert, der eine Kombination mit mindestens 20 % Sauerstoff empfahl. Er fĂŒhrte auch statistische Untersuchungen zur Sicherheit von Ăther- und Chloroformnarkosen in jeweils etwa 100.000 FĂ€llen durch.cite-ref-faulconera-22-0[22] Andrews entwickelte auch eine Methode zur VerflĂŒssigung von Distickstoffmonoxid durch Kompression, wodurch sich die Handhabung erleichterte.cite-ref-andrewse2-23-0[23]
Rolle als Spurengas
Zu Beginn der 1970er Jahre wurde erkannt, dass Distickstoffmonoxid eine bedeutende Rolle als Spurengas in der ErdatmosphĂ€re spielt, das sowohl zum Abbau der Ozonschicht als auch zur VerstĂ€rkung des Treibhauseffekts beitrĂ€gt. GroĂe Quellen wurden zunĂ€chst in den Ozeanen vermutet, wĂ€hrend der relativ langsame photochemische Abbau in der StratosphĂ€re als einzige Senke bekannt war. Um das globale Budget zu erklĂ€ren, wurde eine groĂe, noch unbekannte troposphĂ€rische Senke angenommen. Die atmosphĂ€rische Lebensdauer wurde zunĂ€chst auf weniger als 20 Jahre geschĂ€tzt.cite-ref-khalilmak-24-0[24]
Vorkommen
Terrestrisch
Distickstoffmonoxid wird in der TroposphĂ€re nicht nennenswert abgebaut und in die StratosphĂ€re transportiert, wo es durch die Reaktion mit atomarem Sauerstoff zu einer Quelle von NOx-Radikalen wird, die in katalytischen KreislĂ€ufen Ozon zerstören.cite-ref-tianh-25-0[25] Im Jahr 2018 lag seine Konzentration in der AtmosphĂ€re bei 331 ppb und damit etwa 22 % ĂŒber dem Wert des vorindustriellen Zeitalters.cite-ref-tianh-25-1[25] Die Konzentration von Distickstoffmonoxid im Meerwasser, wo es als Nebenprodukt der aeroben Nitrifikation und als Zwischenprodukt der anaeroben Denitrifikation entsteht, variiert erheblich mit der Jahreszeit und der geographischen Lage. So wurden in der KĂŒstenlagune Al-Shabab an der OstkĂŒste des Roten Meeres Mittelwerte der Distickstoffmonoxidkonzentration von 0,344 Mikromol pro Liter im FrĂŒhjahr gemessen, im Winter lagen die Mittelwerte bei 0,106 Mikromol pro Liter.cite-ref-orifmi-26-0[26] In der Nordwestpassage des Arktischen Ozeans lag die Konzentration zwischen 11,5 und 21 Mikromol pro Liter.cite-ref-kitidisv-27-0[27]
Extraterrestrische Vorkommen
Im Rahmen einer Studie wurden die RotationsĂŒbergĂ€nge des Distickstoffmonoxids im interstellaren Raum mit dem 12-m-Teleskop des National Radio Astronomy Observatory radioastronomisch nachgewiesen. Die daraus abgeleitete Dichte im galaktischen Zentrum betrĂ€gt etwa ein milliardstel der Wasserstoffdichte.cite-ref-ziuryslm-28-0[28] Distickstoffmonoxid spielt möglicherweise eine Rolle als Ausgangsstoff fĂŒr die in Kometenschweifen nachgewiesenen Stickstoffkationen (N2+), da dessen photochemische Lebensdauer groĂ genug ist, um in den Kometenschweif zu gelangen. Durch photochemische Reaktionen in SonnennĂ€he wĂŒrde Distickstoffmonoxid dort in ein Stickstoffkation und ein Sauerstoffanion zerfallen.cite-ref-saxenapp-29-0[29]
Herstellung
LabormaĂstab
Die Herstellung erfolgt in einer intramolekularen Redoxreaktion durch kontrollierte thermische Zersetzung von chloridfreiem Ammoniumnitratcite-ref-32[32]
N H 4 N O 3 â¶ â¶ N 2 O + 2 H 2 O {\displaystyle \mathrm {NH_{4}NO_{3}\longrightarrow N_{2}O+2\ H_{2}O} }
oder in einer Redoxreaktion durch Erhitzen einer Mischung aus Ammoniumsulfat und Natriumnitrat.
2 NaNO 3 + ( NH 4 ) 2 SO 4 â¶ â¶ Na 2 SO 4 + 2 N 2 O + 4 H 2 O {\displaystyle {\ce {2 NaNO3 + (NH4)2SO4 -> Na2SO4 + 2 N2O + 4 H2O}}}
Die Temperatur darf bei beiden Darstellungswegen jedoch nicht höher als 300 °C steigen, da es sonst zu einem explosiven Zerfall von Ammoniumnitrat kommen kann. Um dies zu vermeiden, kann Distickstoffmonoxid durch Reaktion von Harnstoff mit SalpetersÀure und SchwefelsÀure hergestellt werden. Als Nebenprodukte entstehen dabei Kohlenstoffdioxid, Ammoniumsulfat und Wasser.cite-ref-matudah-33-0[33]
2 ( NH 2 ) 2 CO + 2 HNO 3 + H 2 SO 4 â¶ â¶ 2 N 2 O + 2 CO 2 + ( NH 4 ) 2 SO 4 + 2 H 2 O {\displaystyle {\ce {2 (NH2)2CO + 2 HNO3 + H2SO4 -> 2 N2O + 2 CO2 + (NH4)2SO4 + 2 H2O}}}
Industrielle Prozesse
Als Nebenprodukt fĂ€llt Distickstoffmonoxid bei der Herstellung von SalpetersĂ€ure, Caprolactam und AdipinsĂ€ure in erheblichen Mengen an.cite-ref-heckrm-34-0[34] Beim SCR-Verfahren, einer Technik zur Reduktion von Stickoxiden in Abgasen von Feuerungs-, MĂŒllverbrennungs- und anderen Industrieanlagen sowie in Gasturbinen und Verbrennungsmotoren, können Stickoxide mit Ammoniak zu Distickstoffmonoxid reagieren, etwa durch die Reaktion:cite-ref-votsmeierm-35-0[35]
8 N O 2 + 6 N H 3 â¶ â¶ 7 N 2 O + 9 H 2 O {\displaystyle \mathrm {8\ NO_{2}+6\ NH_{3}\longrightarrow 7\ N_{2}O\ +9\ H_{2}O} }
Drei-Wege-Katalysator
Bei der Abgasnachbehandlung mittels Drei-Wege-Katalysator erfolgt die Bildung von Distickstoffmonoxid als Teilschritt bei der Reduktion von Stickoxiden zu elementarem Stickstoff. Sie erfolgt bevorzugt unter stöchiometrischen Bedingungen (λ = 1,00) bei Temperaturen von 250 bis 350 °C. Bei normalen Arbeitstemperaturen von etwa 450 °C des Drei-Wege-Katalysators ist die Bildung von Distickstoffmonoxid und allen anderen Schadstoffen jedoch minimal. Die Reaktion zu Distickstoffmonoxid geschieht ĂŒber die Reaktion von Kohlenstoffmonoxid und Stickstoffmonoxid unter Bildung einer NCO-Spezies an der KatalysatoroberflĂ€che.cite-ref-baewb-36-0[36]
Bakterielle Nitrifikation
Distickstoffmonoxid wird in erster Linie als Nebenprodukt natĂŒrlich ablaufender Prozesse, zum Beispiel im Zuge der bakteriellen Nitrifikation gebildet und in die AtmosphĂ€re freigesetzt.cite-ref-r-mpp-5-1[5]cite-ref-38[38] Als Nebenprodukt bei von Menschen verursachten Prozessen wird Distickstoffmonoxid nicht nur bei VerbrennungsvorgĂ€ngen, sondern auch durch intensiv betriebene Landwirtschaft freigesetzt.cite-ref-39[39]cite-ref-ivanovichcc-40-0[40] FĂŒr den von Menschen verursachten DistickstoffmonoxidausstoĂ ist vor allem der zunehmende Einsatz von stickstoffhaltigen DĂŒngemitteln in der Landwirtschaft verantwortlich.cite-ref-41[41]cite-ref-harrise-42-0[42] Verglichen mit der konventionell betriebenen Landwirtschaft entstehen bei der ökologischen Landwirtschaft rund 40 % weniger Distickstoffmonoxid pro Hektar.cite-ref-skinnerc-43-0[43]
Die Abwasserbehandlung in KlĂ€ranlagen kann zum Beispiel durch ein Ammonium-Oxidationsverfahren zu einer Quelle fĂŒr Distickstoffmonoxid werden. In der BelĂŒftungsphase kann Distickstoffmonoxid durch Ammonium oxidierende Bakterien ĂŒber die Oxidation von Hydroxylamin oder durch die Reduktion von Nitrit, die sogenannte Nitrifikanten-Denitrifikation, gebildet werden. In der anaeroben Phase kann Distickstoffmonoxid als Nebenprodukt entstehen. In der Schweiz sind die KlĂ€ranlagen fĂŒr rund 20 % der schweizweiten Distickstoffmonoxid-Emissionen verantwortlich.cite-ref-diezigerc-44-0[44]
| Quellen fĂŒr Distickstoffmonoxid [ 5 ] | globale Emission [10 6 t /a] |
|---|---|
| natĂŒrliche Quellen | 6,6â12,2 |
| âą Ozeane/Seen | 2,0â4,0 |
| âą natĂŒrliche Böden | 4,6â8,2 |
| anthropogene Quellen | 1,4â6,5 |
| âą Verbrennung von Biomasse | 0,2â2,4 |
| âą Einsatz von kĂŒnstlichen DĂŒngern (Böden und Grundwasser) | 1,0â3,6 |
| alle Quellen 1 | 8,9â18,7 |
Weitere mögliche Quellen sind photochemische Reaktionen in der StratosphÀre und TroposphÀre sowie die Bildung von Distickstoffmonoxid durch Katalysatoren.
StickstoffdĂŒnger wird unter bestimmten Bedingungen in Distickstoffmonoxid umgewandelt. Dabei wird normalerweise N2O im Boden enzymatisch abgebaut. Bei dem ablaufenden biochemischen Prozess spielt das kupferhaltige Enzym Distickstoffmonoxid-Reduktase eine wichtige Rolle, da es N2O zu N2 umsetzt (â Denitrifikation). Dieses Enzym reagiert auf Sauerstoff empfindlich und fĂ€llt in der Reaktionskette hĂ€ufig aus. Deshalb werden groĂe Mengen an N2O aus gedĂŒngten AckerflĂ€chen freigesetzt.cite-ref-45[45] So werden beim Anbau von Energiepflanzen, wie Raps, bedingt durch die verstĂ€rkte DĂŒngung, insbesondere im Winter, gröĂere Mengen Distickstoffmonoxid freigesetzt. Die N2O-Emissionen aus dem Rapsanbau entsprechen dabei denen des sonstigen Feldbaues.cite-ref-46[46]cite-ref-47[47] Dadurch ist â bezogen auf die N2O-Emissionen â die Klimabilanz des Raps negativer als die von Benzin.cite-ref-48[48]
Diesen Quellen steht als Senke insbesondere der photochemische Abbau in der StratosphĂ€re mit etwa 20,5·106 t/a gegenĂŒber.cite-ref-r-mpp-5-3[5]
N 2 O + h Μ Μ ⶠⶠN 2 + O {\displaystyle \mathrm {N_{2}O+h\nu \longrightarrow N_{2}+O} }
N 2 O + O â¶ â¶ N 2 + O 2 {\displaystyle \mathrm {N_{2}O+O\longrightarrow N_{2}+O_{2}} }
N 2 O + O â¶ â¶ 2 N O {\displaystyle \mathrm {N_{2}O+O\longrightarrow 2\ NO} }
Die Mengen, die zusÀtzlich durch Aufnahme in Böden und von aquatischen Mikroorganismen abgebaut werden, sind nicht bekannt.
Abiotische Prozesse
Distickstoffmonoxid kann sich unter bestimmten Bedingungen abiotisch an FestkörperoberflĂ€chen bilden. Erstmals wurde dies an einem Salzsee in der Antarktis beobachtet.cite-ref-49[49] Die Reaktion zu Distickstoffmonoxid ist neben dem Vorkommen von nitrat- oder nitrithaltigen Stoffen auch von der VerfĂŒgbarkeit von Eisenmineralien abhĂ€ngig und lĂ€uft nach folgenden Reaktionen ab:
2 NO 3 â â + 12 Fe 2 + + 11 H 2 O â¶ â¶ N 2 O + 4 Fe 3 O 4 + 22 H + {\displaystyle {\ce {2 NO3- + 12 Fe2+ + 11 H2O -> N2O + 4 Fe3O4 + 22H+}}}
2 NO 2 â â + 6 Fe 2 + + 5 H 2 O â¶ â¶ N 2 O + 2 Fe 2 O 3 + 10 H + {\displaystyle {\ce {2 NO2- + 6 Fe2+ + 5 H2O -> N2O + 2 Fe2O3 + 10H+}}}
Es besteht die Möglichkeit, dass die abiotische Distickstoffmonoxidproduktion in der Antarktis in Àhnlicher Weise auch auf dem Mars und anderen extraterrestrischen Objekten sowie Exoplaneten stattfindet.cite-ref-schutteca-50-0[50]
Eigenschaften
Physikalische Eigenschaften
Distickstoffmonoxid ist ein diamagnetisches Gas, das in kaltem Wasser gut löslich ist. Bei 0 °C löst sich das Gas im VolumenverhĂ€ltnis 1 : 1,305 in flĂŒssigem Wasser, bei 25 °C immer noch im VerhĂ€ltnis 1 : 0,596.cite-ref-holleman-51-0[51] Es ist dem annĂ€hernd gleich schweren, isoelektronischen Kohlenstoffdioxid in seinen physikalischen Eigenschaften wie der Dichte der kondensierten FlĂŒssigkeit oder Schmelz- und Siedepunkt sehr Ă€hnlich. Aus neutralen wĂ€ssrigen Lösungen lĂ€sst sich bei tiefen Temperaturen ein kristallines Gashydrat ausscheiden, in dem auf jedes Distickstoffmonoxid-MolekĂŒl 5,75 WassermolekĂŒle kommen.cite-ref-mohammadiah-52-0[52] Unter erhöhtem Druck weist Distickstoffmonoxid eine sehr gute Löslichkeit in Fetten auf. Die Standardbildungsenthalpie ÎfH0g betrĂ€gt + 82,10 kJ/mol (metastabil), die Standardenthropie S0g, 1 bar: 219,96 J/(mol · K).
Molekulare Eigenschaften
Das DistickstoffmonoxidmolekĂŒl ist linear gebaut und lĂ€sst sich durch zwei mesomere Resonanzstrukturen darstellen:
Der Stickstoff-Stickstoff-Bindungsabstand betrÀgt 112,6 Pikometer und liegt damit zwischen dem einer Stickstoff-Stickstoff-Doppel- und einer Stickstoff-Stickstoff-Dreifachbindung. Die LÀnge der Stickstoff-Sauerstoff-Bindung betrÀgt 118,6 Pikometer und liegt damit zwischen dem einer Sauerstoff-Sauerstoff-Einfach- und einer Sauerstoff-Sauerstoff-Doppelbindung.cite-ref-holleman-51-1[51]
Chemische Eigenschaften
Distickstoffmonoxid ist nicht brennbar, kann aber andere Stoffe oxidieren. Daher wirkt es brandfördernd. Kohle, Schwefel und Phosphor brennen in Distickstoffmonoxid wie in Sauerstoff, Gemische mit Wasserstoff oder Ammoniak explodieren bei ZĂŒndung.cite-ref-holleman-51-2[51]
3 N 2 O + 2 NH 3 â¶ â¶ 4 N 2 + 3 H 2 O {\displaystyle {\ce {3 N2O + 2 NH3 -> 4 N2 + 3 H2O}}}
Im Gegensatz zu Sauerstoff reagiert Distickstoffmonoxid mit Stickstoffmonoxid nicht zu braunem Stickstoffdioxid, wodurch sich die beiden Gase unterscheiden lassen.cite-ref-holleman-51-3[51] Um andere Stoffe zu oxidieren, benötigt es eine deutlich höhere Temperatur als bei den entsprechenden Reaktionen mit Sauerstoff. Bei der ZĂŒndung eines Gasgemisches aus Schwefelkohlenstoff und Distickstoffmonoxid in einer zylindrischen Röhre erzeugt die Reaktion einen hellen Blitz und ein GerĂ€usch, das an einen bellenden Hund erinnert. Als Produkte entstehen elementarer Schwefel, Kohlenstoffdioxid und Stickstoff.cite-ref-krei-lfr-53-0[53]
8 N 2 O + 4 CS 2 â¶ â¶ S 8 + 4 CO 2 + 8 N 2 {\displaystyle {\ce {8 N2O + 4 CS2 -> S8 + 4 CO2 + 8 N2}}}
Distickstoffmonoxid ist eine metastabile Verbindung und zerfÀllt bei etwa 600 °C in seine Elemente:cite-ref-holleman-51-4[51]
2 N 2 O â¶ â¶ 2 N 2 + O 2 + 164 , 20 k J {\displaystyle \mathrm {2\ N_{2}O\longrightarrow 2\ N_{2}+O_{2}+164{,}20\ kJ} } .
Distickstoffmonoxid kann als Sauerstoff- oder als Stickstoffdonor fungieren, etwa in der Wislicenus-Reaktion, wobei Distickstoffmonoxid mit Natriumamid bei etwa 187 °C zu Natriumazid reagiert.
NaNH 2 + N 2 O â¶ â¶ NaN 3 + H 2 O {\displaystyle {\ce {NaNH2 + N2O -> NaN3 + H2O}}}
Die Reaktion wird in der chemischen Industrie zur Herstellung von Aziden verwendet, die als Sprengstoffe eingesetzt werden.cite-ref-severink-54-0[54]
Distickstoffmonoxid oxidiert 9,10-Dihydroanthracen in Gegenwart eines Ruthenium-Katalysators auf zwei verschiedene Arten. In Gegenwart von SchwefelsÀure entsteht ein Anthracen-Derivat, in Benzol als Lösungsmittel in Abwesenheit von SchwefelsÀure entsteht ein Anthrachinon-Derivat.cite-ref-hashimotok-55-0[55]
Distickstoffmonoxid agiert als Lewis-Base und kann beispielsweise Wasser aus Komplexen verdrÀngen:cite-ref-holleman-51-5[51]
[ R u ( N H 3 ) 5 H 2 O ] 2 + + N 2 O â [ R u ( N H 3 ) 5 N 2 O ] 2 + + H 2 O {\displaystyle \mathrm {[Ru(NH_{3})_{5}H_{2}O]^{2+}+N_{2}O\xrightarrow {\ } [Ru(NH_{3})_{5}N_{2}O]^{2+}+H_{2}O} }
In der oberen AtmosphÀre wird Distickstoffmonoxid, dessen Wirkungsquerschnitt stark temperaturabhÀngig ist, durch Absorption von Sonnenstrahlung mit einer WellenlÀnge von etwa 180 bis 240 Nanometern photolysiert, wobei die Quantenausbeute der Photodissoziation gleich eins ist. Bei der Photolyse entstehen molekularer Stickstoff (N2) und angeregter atomarer Sauerstoff (O(1D)).cite-ref-brasseurgp-56-0[56]
Umweltrelevanz
Siehe auch
:
Liste der gröĂten Lachgasemittenten
Durch die Lage seiner IR-Absorption in einem atmosphĂ€rischen Fenster und seine lange atmosphĂ€rische Verweilzeit von 109 Jahren hat Distickstoffmonoxid ein hohes Treibhauspotenzial, zumal sein globales ErwĂ€rmungspotenzial (bezogen auf 100 Jahre) 273-mal höher ist als das von Kohlenstoffdioxid.cite-ref-smithc-57-0[57] Als drittwichtigstes langlebiges Treibhausgas trĂ€gt es erheblich zur globalen ErwĂ€rmung bei.cite-ref-thompson-58-0[58] Sein Beitrag zur globalen ErwĂ€rmung ĂŒber den Treibhauseffekt betrĂ€gt knapp 10 %. Seine Emissionen durch Denitrifikation von stickstoffhaltigem DĂŒnger machen beispielsweise beim Anbau von Ălsaaten fĂŒr Biokraftstoffe deren Beitrag zum Klimaschutz vollstĂ€ndig zunichte.cite-ref-crutzenp-59-0[59]
Durch seinen Abbau in der StratosphĂ€re erhöht Distickstoffmonoxid dort die Konzentration von NOx, das katalytisch Ozon abbaut.cite-ref-thompson-58-1[58] Die Oxidation von Distickstoffmonoxid stellt die hauptsĂ€chliche Quelle fĂŒr Stickoxide und SalpetersĂ€ure in der StratosphĂ€re dar. Zu einem kleineren Teil stammen diese aus der Ionisation von molekularem Stickstoff durch energiereiche Teilchen sowie den Emissionen von Flugzeugen.cite-ref-brasseurgp2-61-0[61] Unter den anthropogenen ozonschĂ€dlichen Emissionen ist Distickstoffmonoxid mittlerweile bedeutender als alle Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) zusammen. Im Gegensatz zu den FCKW fĂ€llt Distickstoffmonoxid nicht unter die BeschrĂ€nkungen des Montreal-Protokolls.cite-ref-ravishankaraar-62-0[62] Der Ozonabbau erfolgt ĂŒber die Bildung von Stickstoffmonoxid, das in katalytischen Zyklen Ozon abbaut:cite-ref-damerism-63-0[63]
N 2 O + O ( 1 D ) â 2 N O {\displaystyle \mathrm {N_{2}O+O{(^{1}D)}\xrightarrow {\ } 2\ NO} }
Katalytischer Zyklus:
N O + O 3 â O 2 + N O 2 {\displaystyle \mathrm {NO+O_{3}\ \xrightarrow {\ } O_{2}+NO_{2}} }
N O 2 + O â O 2 + N O {\displaystyle \mathrm {NO_{2}+O\ \xrightarrow {\ } O_{2}+NO} }
Gesamtreaktion:
O + O 3 â 2 O 2 {\displaystyle \mathrm {O+O_{3}\ \xrightarrow {\ } 2\ O_{2}} }
Die mittlere troposphÀrische Distickstoffmonoxidkonzentration stieg zwischen 1980 und 2020 von 301 auf 333 ppb an. Damit erreichte sie den höchsten Wert in den letzten 800.000 Jahren. Im Jahr 2020 betrug die Wachstumsrate 1,33 ppb pro Jahr, im Vergleich dazu lag sie im Jahrzehnt von 2000 bis 2009 noch bei 0,76 ppb pro Jahr.cite-ref-tianh1-64-0[64]
Verwendung
Verwendung in der Medizin
In der Medizin wird Distickstoffmonoxid seit 1844 ein regelmĂ€Ăig eingesetztes schmerzlinderndes Gas zur Narkose oder in der fixen Kombination von 50 % Distickstoffmonoxid und 50 % Sauerstoff (MEOPA) zur Schmerzbehandlung bei kurzen, mĂ€Ăig schmerzhaften chirurgischen Eingriffen eingesetzt. Es ist ein relativ schwaches AnĂ€sthetikum und wird hauptsĂ€chlich unterstĂŒtzend eingesetzt. In der modernen AnĂ€sthesie wird die Wirkung des Distickstoffmonoxids durch Zugabe anderer Narkosemittel ergĂ€nzt. Die Weltgesundheitsorganisation fĂŒhrt Distickstoffmonoxid in der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel (23. Liste (2023)) im Kapitel 1.1.1: Inhalative Arzneimittel.cite-ref-who-65-0[65]
Analgetische, schmerzstillende Effekte treten ab einer Konzentration von etwa 20 % Distickstoffmonoxid in der Atemluft auf. Um eine wirkungsvolle Konzentration von 70 % zu erreichen, wird es, wie zuerst Andrews 1868 erkannt hatte, zusammen mit reinem Sauerstoff verabreicht. Vorteilhaft ist, dass das Gas rasch an- und abflutet (geringer Blut/Gas-Verteilungskoeffizient), die Narkose dadurch gut steuerbar ist und keine oder geringe Atemdepression auftritt. Das Gas wird hauptsĂ€chlich wieder ĂŒber die Lungen ausgeschieden, ein geringer Teil diffundiert durch die Haut.cite-ref-alberg-66-0[66] Problematisch kann die Diffusion von Distickstoffmonoxid in luftgefĂŒllte KörperhohlrĂ€ume werden, hierbei kann es zur Diffusionshypoxie in der Lunge kommen. Dabei verdrĂ€ngt Distickstoffmonoxid den Sauerstoff aus den LungenblĂ€schen. Dies wird durch Sauerstoffinhalation vermieden.
Der medizinische Gebrauch von Distickstoffmonoxid als Narkosemittel ist seit langem deutlich rĂŒcklĂ€ufig. Es wurde als geeignet zur Selbstapplikation bei schwachen und mittleren Schmerzen bezeichnet.cite-ref-bda-67-0[67] So wird es heute unter anderem in der Geburtshilfe zur Verringerung der Wehenschmerzen wieder eingesetzt. Ab 1878 hatte bereits der Arzt St. Kjilkowitsch aus Petersburg Distickstoffmonoxid erfolgreich in der Geburtshilfe eingesetzt.cite-ref-kjilkowitschs-68-0[68]cite-ref-orthh5-69-0[69] Die Wirkung von Distickstoffmonoxid ist nur kurz, bereits nach ungefĂ€hr 15 Minuten sind keine Wirkungen mehr wahrnehmbar. Distickstoffmonoxid kann aufgrund der schmerzstillenden Wirkung in der AnĂ€sthesie zur DurchfĂŒhrung einer Vollnarkose dem Gasgemisch beigefĂŒgt werden, wo es den Verbrauch der inhalativen AnĂ€sthetika stark reduziert.
Vor dem Hintergrund alternativer Narkoseverfahren, verbesserter GerĂ€tetechnik wie etwa die low-flow-AnĂ€sthesie und erhöhter Vigilanz bezĂŒglich möglicher Umweltbelastungen (Treibhausgas) wird seit Ende der 1990er Jahre erheblich weniger Distickstoffmonoxid in der AnĂ€sthesie verwendet.cite-ref-schulteameschj-70-0[70] Halogenierte AnĂ€sthetika, etwa Flurane wie Isofluran, Desfluran und Sevofluran, weisen jedoch ebenfalls ein hohes Ozonabbaupotenzial und ein hohes Treibhauspotenzial auf.cite-ref-vollmermk-71-0[71] Aus medizinischer Sicht ist gegen die Verwendung von Distickstoffmonoxid als Narkosemittel nichts einzuwenden.cite-ref-society-72-0[72]cite-ref-mylesps-73-0[73] In der Zahnmedizin ist Distickstoffmonoxid seit Jahrzehnten als sogenannte titrierbare Lachgassedierung ein Mittel, das vor allem bei Kindern und Ă€ngstlichen Patienten oder bei starkem WĂŒrgereiz Anwendung findet. Nebenwirkungen sind bei korrekter Verabreichung selten.
In jĂŒngster Zeit wird Distickstoffmonoxid zunehmend als Behandlungsmöglichkeit bei schweren, therapieresistenten Depressionen eingesetzt.cite-ref-0-74-0[74]cite-ref-75[75]cite-ref-76[76] Dabei wirkt es schnell und stellt eine effektive therapeutische Option dar.cite-ref-0-74-1[74]
AuĂerdem wird Distickstoffmonoxid bei der Kryoablation als flĂŒssiges KĂŒhlmittel eingesetzt und in den Kryoballonkatheter geleitet. Dort verdampft es und entzieht dem umliegenden Gewebe WĂ€rme. Durch die Eisbildung werden die betroffenen Herzmuskelzellen zerstört.
Verwendung als Droge
Distickstoffmonoxid findet wegen seiner dissoziativen Wirkung und der leichten VerfĂŒgbarkeit Verwendung als Rauschmittel.cite-ref-esanum-77-0[77] Der Rausch dauert etwa 30 Sekunden bis 3 Minuten an.cite-ref-kochl-78-0[78] Es kommt zu dissoziativen Effekten,cite-ref-esanum-77-1[77] starker VerĂ€nderung der GerĂ€uschwahrnehmung (Echo, Verzerrung),cite-ref-kochl-78-1[78] Kribbeln in den GliedmaĂen,cite-ref-kempinskis-79-0[79] Entspannung der Muskeln,cite-ref-apotheke-80-0[80] traumartigen Halluzinationencite-ref-kochl-78-2[78] und Wohlempfinden, mitunter auch Euphoriecite-ref-apotheke-80-1[80] und LachzwĂ€ngen.cite-ref-kochl-78-3[78] Bei hĂ€ufigem Konsum besteht die Gefahr des Vitamin-B12-Mangels.cite-ref-esanum-77-2[77]cite-ref-dehalleuxc-81-0[81] Wiederholt kam es bei dieser Anwendung auch zu TodesfĂ€llen.cite-ref-bbc-82-0[82]
In den Niederlanden hat die Zahl schwerer VerkehrsunfĂ€lle unter Distickstoffmonoxideinfluss stark zugenommen. Distickstoffmonoxid war dort nach Alkohol die bei SchĂŒlern meistkonsumierte Rauschdroge.cite-ref-spon-83-0[83] Dies fĂŒhrte dazu, dass am 1. Januar 2023 in den Niederlanden ein Verbot von Distickstoffmonoxid in Kraft gesetzt wurde.cite-ref-verb-84-0[84] Distickstoffmonoxid steht seit diesem Zeitpunkt auf der Liste II des Opiumgesetzes, was bedeutet, dass es dann unter anderem verboten ist, âinnerhalb oder auĂerhalb des Hoheitsgebiets der Niederlande Distickstoffmonoxid zu verbringen, zu verkaufen oder zu besitzen.âcite-ref-verb-84-1[84] Der gewerbliche Einsatz von Distickstoffmonoxid fĂŒr medizinische und technische Zwecke ist zulĂ€ssig, ebenso die Verwendung von Distickstoffmonoxid als Zusatz zu Lebensmitteln.
Im Vereinigten Königreich unterlag Distickstoffmonoxid dem Psychoactive Substances Act 2016. Damit war es illegal, Distickstoffoxid herzustellen oder einzufĂŒhren, der Besitz war jedoch bis dahin nicht strafbar. Seit dem 8. November 2023 wird es als Droge der Klasse C gemÀà dem Misuse of Drugs Act 1971 eingestuft, wonach schon der Besitz von Distickstoffmonoxid eine Straftat ist.cite-ref-ukgov-85-0[85]
In Deutschland ist Distickstoffmonoxid als Partydroge verbreitet. Es ist in Kartuschen abgefĂŒllt in Automaten und an Kiosken erhĂ€ltlich. In der Politik wird ein Verkaufsverbot an Jugendliche diskutiert.cite-ref-stenullc-86-0[86] Im Juli 2025 wurde ein Gesetzentwurf zum Erwerbs- und Besitzverbot von Distickstoffmonoxid fĂŒr Kinder und Jugendliche beschlossen.cite-ref-87[87]cite-ref-88[88]
Nahrungsmitteltechnik
In der Nahrungsmitteltechnik wird Distickstoffmonoxid als zugelassener Lebensmittelzusatzstoff (E 942) aufgrund seiner guten Fettlöslichkeit unter Druck als Treibgas benutzt, vorzugsweise fĂŒr Milchprodukte, zum Beispiel zum AufschĂ€umen (statt Schlagen) von Schlagsahne.cite-ref-lemilex-89-0[89]
Verwendung in der Analytik
In der Atomabsorptionsspektrometrie (AAS) wird bei der Flammen-AAS zum Teil Distickstoffmonoxid anstelle von Luft in einer Acetylen-Flamme zur Erzeugung höherer Temperaturen (2800 °C) verwendet. In der Katalyseforschung wird Distickstoffmonoxid bei der Frontalchromatographie angewendet, um die katalytisch wirksame KupferoberflÀche zu bestimmen.
Raketentechnik
In der Raketentechnik, etwa in Hybridraketen wie dem SpaceShipOne, wird Distickstoffmonoxid als Oxidator eingesetzt. Der Vorteil liegt darin, dass es sich ohne KĂŒhlung durch Druck verflĂŒssigen lĂ€sst. Daher wird fĂŒr den Einsatz in solchen Triebwerken nur ein Drosselventil benötigt, jedoch keine Kraftstoffpumpe oder aufwĂ€ndige Kryotechnik.cite-ref-zakirovv-90-0[90]
Antriebstechnik
In der Antriebstechnik, etwa bei PKW, wird Distickstoffmonoxid zur Steigerung der Motorleistung von Ottomotoren verwendet, da es mehr Sauerstoff enthĂ€lt als Luft. Diese sogenannte Lachgaseinspritzung erfordert nur relativ geringe konstruktive Ănderungen am Motor und kann seine Leistung kurzfristig um etwa 20 bis 50 % steigern. Das Distickstoffmonoxid wird dabei aus DruckbehĂ€ltern in den Ansaugtrakt geblasen. Dieses Tuning ist vor allem in den USA verbreitet, seine Verwendung im öffentlichen StraĂenverkehr ist aber sowohl dort als auch in Deutschland verboten (mit Ausnahme einer Anlage mit ABE) und den meisten anderen LĂ€ndern nur eingeschrĂ€nkt erlaubt. Die bekanntesten Hersteller von Distickstoffmonoxideinspritzungen sind Nitrous Oxide Systems, NX und Venom sowie ZEX. Im Zweiten Weltkrieg wurden Flugmotoren auf diese Weise in ihrer Leistung gesteigert. Durch das sogenannte GM-1 wurde nicht nur die Motoraufladung verbessert, die LadeluftkĂŒhlung durch die Verdampfung des verflĂŒssigten Distickstoffmonoxids erhöhte auch den thermodynamischen Wirkungsgrad.cite-ref-potthoffj-91-0[91]
Toxikologie
Besondere Gefahren bestehen beim Gebrauch als Rauschmittel: Wird Distickstoffmonoxid pur â z. B. aus abgefĂŒllten Ballons â inhaliert, können als Folgen Dysphorie, Verwirrtheit, Ăbelkeit, Kopfschmerzen, Schluckauf und Blutdruckabfall auftreten. Bei hohen Mengen kommt es zu einer Unterversorgung des Blutes mit Sauerstoff (HypoxĂ€mie), in deren Folge Kreislaufstillstand, schwere LĂ€hmungen bis hin zur QuerschnittslĂ€hmung,cite-ref-92[92] HirnschĂ€den und der Tod möglich sind.cite-ref-93[93] Falls Distickstoffmonoxid direkt aus dem GasbehĂ€lter eingeatmet wird, kann es zu Erfrierungserscheinungen durch den Joule-Thomson-Effekt an Lippen, Kehlkopf und Bronchien aufgrund der KĂ€lte des Gases kommen. Deshalb werden meist abgefĂŒllte Ballons verwendet.cite-ref-94[94]
Unter Anwendung von Distickstoffmonoxid kann es zur Störung der Wirkung von Vitamin B12 und FolsĂ€ure kommen und damit zu den Folgen einer perniziösen AnĂ€mie. Distickstoffmonoxid oxidiert im Körper Vitamin B12, welches dann als Co-Enzym dem Enzym Methionin-Synthase nicht mehr zur VerfĂŒgung steht.cite-ref-95[95] So kommt es bei einer Anwendung von Distickstoffmonoxid von ĂŒber sechs Stunden zu einer Funktionsabnahme der Methionin-Synthase, die fĂŒr die Produktion vieler wichtiger Proteine wichtig ist.cite-ref-96[96] Bei Anwendung bei Patienten mit schweren Störungen der Herzmuskelfunktion besteht die Gefahr von unerwĂŒnschten Wirkungen auf das Herz- und BlutgefĂ€Ăsystem, zumal Stickoxydul zu einer zentralen Aktivierung efferenter Sympathikusfaserncite-ref-97[97] fĂŒhrt. Zudem kann Distickstoffmonoxid den pulmonalen GefĂ€Ăwiderstand steigern.cite-ref-98[98]
Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung berichtete im Mai 2025, dass belastbare Daten zur Nutzung von Lachgas in Deutschland bisher nicht vorliegen. Jedoch verzeichnen verschiedene Giftinformationszentren eine Zunahme von Anrufen zu VergiftungsunfĂ€llen mit Lachgas. So wurde beim Giftnotruf Berlin zwischen 2010 und 2015 von ein bis zwei FĂ€llen pro Jahr berichtet. Im Jahr 2022 gab es bereits 7 FĂ€lle und fĂŒr 2023 wurde von 20 FĂ€llen berichtet. Dabei handelte es sich bisher ĂŒberwiegend um leichte bis mittelschwere FĂ€lle und nur vereinzelt um schwere FĂ€lle. Im Jahr 2024 wurden 50 VergiftungsfĂ€lle mit Lachgas erfasst. Betroffen waren zum gröĂeren Teil Jugendliche und junge Erwachsene (36 FĂ€lle), ĂŒberwiegend mit leichter bis mittlerer Symptomatik.
Studien aus europĂ€ischen NachbarlĂ€ndern belegen, dass der Konsum von Lachgas auch zu schweren und bleibenden GesundheitsschĂ€den fĂŒhren kann. Im GroĂraum Paris wurden zwischen 2018 und 2021 insgesamt 181 FĂ€lle mit schweren Lachgasvergiftungen erfasst, bei denen das RĂŒckenmark oder weitere Teile des Nervensystems teilweise stark geschĂ€digt waren.cite-ref-99[99]
Nachweis
FĂŒr den Nachweis von Distickstoffmonoxid werden chromatographische, spektroskopische und amperometrische Analysenmethoden verwendet. Weit verbreitet ist der Nachweis mittels Gaschromatographie mit einem Elektroneneinfangdetektor. Weiterhin wird die FTIR-Spektrometrie eingesetzt sowie die elektrochemische Bestimmung mittels amperometrischer Sensoren, wobei die Distickstoffmonoxid-Konzentration durch die Messung eines Stromes bestimmt wird, der bei der Reduktion von Distickstoffmonoxid an einer Elektrode entsteht.cite-ref-rapsontd-37-1[37]
Literatur
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Weblinks
Commons
: Distickstoffmonoxid
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Lachgas
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą ZDFheute Nachrichten: Lachgas: Harmloser Rausch oder Partydroge mit Risiko? auf YouTube, 27. Oktober 2024 (AbgefĂŒllt im Luftballon verspricht Lachgas den ultimativen Partykick. Die bunten Kartuschen stehen in Deutschlands Kiosken frei zum Verkauf. Der Lachgaskick dauert wenige Sekunden, doch der Konsum kann langfristige gesundheitliche SchĂ€den verursachen. Eine ZDF.reportage ĂŒber den gefĂ€hrlichen Trend der Partydroge Lachgas.).
Einzelnachweise
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